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Konzert der Badischen Brass Band

Musik und Gemeinschaft sind im Musikverein untrennbar miteinander verbunden. Keines funktioniert ohne das Andere. Hatte die Musik am ersten Abend des Jubiläumswochenendes nur eine Begleitende Funktion inne, spielte sie am zweiten Tag die Hauptrolle. Träger dieser Rolle war die Badische Brass Band, welche 2010 nach traditionellem englischem Vorbild von Dominik Koch sowie anderen Musikern aus dem badischen Raum ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist diese, in unserem Bundesland noch weitgehend unbekannte Orchesterform und deren Originalliteratur, bekannter zu machen.

  • Aktuelle Konzertpläne sowie weitere Informationen rund um die Badische Brass Band finden sie auf deren Website

Artikel aus der RNZ vom 05.03.15

 

Facettenreiches und brillantes Klangfeuerwerk auf höchstem Niveau

Konzert der Badischen Brass Band zum 90-jährigen Jubiläum des Musikvereins

 

Mühlhausen – rka – Musik, wie man sie nicht jeden Tag hört, schallte am vergangenen Sonntag durch die Kraichgauhalle beim Konzert der Badischen Brass Band anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des Musikvereins Mühlhausen. Mit dem satten Klang der Blechbläser und Schlaginstrumente begeisterte das Orchester in der bis auf den letzten Platz besetzten Halle die Zuschauer, die nach drei Zugaben beim Badner-Lied die Leistung der Musikanten mit stehenden Ovationen quittierten. Ein echtes Heimspiel war der Konzertabend für die Musikanten aus dem Badischen Land, zumal ihr Dirigent Dominik M. Koch auch der musikalische Leiter des Musikvereins Mühlhausen ist. Darüber hinaus musizieren weitere, echte Mühlhäuser in der Brass Band mit.

Zwei deutsche Meistertitel und 17 Konzerte sind die stolze Bilanz in den fünf Jahren des Bestehens. Cornette, Flügelhörner, Posaunen, Euphonien, Tenorhörner und Basstuben, dazu ein vielseitiges Schlagwerk bilden eine optisch wie klanglich imposante Gruppe. Dazu gehören professionelle Musiker, Musiklehrer, Musikstudenten, aber auch Hobbymusiker gleichermaßen. Dass es bei solch geballter Blechbesetzung vorwiegend laut und schmetternd zugehe, dieses Vorurteil kam einem angesichts der reichen klanglichen und stilistischen Vielfalt nicht einmal ansatzweise in den Sinn. Sehr ausgewogen war das Programm, denn zu ihrem fünfjährigen Bestehen präsentierte die Band nicht nur neue Werke, sondern auch ein „Best of“ der letzten Jahre.

Es war ein mitreißendes Konzert, das hohe Ansprüche an das Können der Musiker stellte, wobei der Kapellmeister genau einzuschätzen weiß, dass er von seinen Musikern einiges fordern kann. Was zeichnet das 35-köpfige Orchester besonders aus? Es war eine auch im Saal sichtbare und hörbare Begeisterung quer durch alle Register, eine Musizierfreude auf höchstem Niveau, ein unbedingter Wille zur Auslotung der einzelnen Stücke, eine Ausleuchtung bis ins kleinste Detail, eine dynamische Bandbreite, die erstaunen lässt und eine äußerste Disziplin und Präsenz, die selbst den leisesten Wink des Dirigenten befolgt. Gekonnt und charmant führt Nadine Stief durch das Programm des Abends, erzählt etwas über die Musikstücke, über ihre Botschaft und stimmt so das Publikum auf die einzelnen Programmpunkte ein.

Festlich eröffnet die Badische Brass Band das Konzert mit „Conzensus“ von Jan van der Roost. Große Leidenschaft und virtuoses Können sind Markenzeichen von „Labour an Love“, einem Werk, das Musikgeschichte geschrieben hat. Denn es ist überhaupt das erste Stück für Brass Band, das im Jahre 1914 vom englischen Komponisten Percy Fletcher komponiert wurde. Das Werk erzählt in musikalischen Bildern über die Wut und Verzweiflung der Bergarbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber auch über ihre Glücksmomente. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Musik, und dem Orchester gelingt es in hervorragender Weise, die ganze Palette der Stimmungen, von tiefer Melancholie bis zu freudiger Erregung in Klangfarben umzusetzen. Eingeschoben sind immer wieder solistische Kadenzen von Cornett, Tuba und Posaune in präziser Ausführung. Die Operette „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé ist heute nur noch durch ihre weltberühmte Ouvertüre bekannt. Sie durchläuft rhythmisch alle typischen Gangarten der Reitkunst. Hier verbinden die Musiker den Glanz der Eröffnungsfanfare mit den stürmischen, aber schwermütigen Klängen der Puszta und dem Feuer im „Allegro brillante“, wo man förmlich die galoppierende Kavallerie in musikalischen Bildern reiten hört.

„Song and Dance“ von Philip Sparke ist ein zweiteiliges Werk für Solo-Cornett, lyrisch im ersten und fröhlich-tänzerisch im zweiten Satz. Der Solist Alexander Kirn wirft bei seinem Solo seine ganzen gestalterischen Tugenden in die Wagschale. Die perlenden Figurenketten sind makellos, die Feinarbeit ist flexibel und die Steigerungswellen gelingen bis zum Fortissimo mit vorbildlicher Leichtigkeit. Es spricht für Kirns künstlerisches Verständnis, dass er die Nähe zum Orchester sucht, das sich mit erstaunlicher Feinfühligkeit dem Solisten unterordnet und nahtlose Übergänge gestaltet. Die Wanderungen der Azteken durch Nordamerika inspirierten den Komponisten Kevin Huoben zu seinem Werk „Lake of the Moon“. Diese eindrucksvolle Komposition schildert in wechselnden, musikalischen Bildern den Zug in die spätere Heimat Mittelamerika. Unheilvolle Klänge stehen für die Gefahren der Völkerwanderung, für die Strapazen der Reise, für die Bedrohung durch sesshafte Stämme. Geradezu romantisch gestaltet das Orchester die Ankunft am Mondsee und zeigt in zarten Klängen auf musikalische Weise die Freude, welche die Azteken verspürten, endlich ihr Ziel erreicht zu haben.

Mit flotter Marschmusik beginnt auch der zweite Teil des Konzerts. Der „Jubilee Marsch“ von Paul Drury ist gleichermaßen ein Glückwunsch an den Musikverein Mühlhausen zum 90-jährigen Jubiläum und an die Badische Brass Band zum fünfjährigen Bestehen. „Inspiration“, ein Werk von Jan de Haan, ist eine spannende Komposition mit zwei sehr unterschiedlichen Themen, die im Verlauf des Stückes auf vielfältige Weise variiert werden. Rassig, feurig gestaltet das Orchester den ersten Satz, beschaulich, ruhig den Mittelteil, während der dritte Teil sehr rhythmisch wirkt und in einem glänzenden Fortissimo endet. Zwischendurch erklingt ganz in der Ferne eine Trompete. Ein kontrastreiches Werk, das sichtlich Musiker und Publikum gleichermaßen begeistert.

Auf den Spuren der Dinosaurier bewegt sich das Orchester bei der Filmmusik zu „Jurassic Park“. Beeindruckend ist die schier endlose, musikalische Vielfalt, die vom Ensemble spielerisch und mit viel Fantasie für das Detail umgesetzt wird. Das Werk strotzt nur so von Ideen, ist geprägt von ständigen, rhythmischen Wechseln, bringt immer wieder neue Motive, welche die Musiker zu einem Gesamtkunstwerk formen. Perfekt mit den Instrumenten musiziert und technisch brillant dargeboten, kann der Zuhörer in den Klängen erleben, wie die Schöpfung die Dinosaurier hervorbringt und wie sie von einer nicht beherrschbaren, aber wundervollen Natur umgeben sind. Schließlich feiern die 70-er Jahre Auferstehung mit dem Medley „The Best of Earth, Wind & Fire“, dessen Musik an die Glanzzeit dieser legendären US-Band erinnert.

Zu Beginn des Konzerts hatte die Vorsitzende Claudia Jablonka in ihrer Begrüßung ein „einzigartiges Klangerlebnis“ versprochen. Die Badische Brass Band stand zu diesem Versprechen: Das hochkarätige Programm bot so manchen musikalischen Hochgenuss, angereichert mit mehr als einem Gänsehautmoment.

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